• Das Bild zeigt eine handcolorierte Karte aus dem Jahr 1947 und befindet sich in der alten Grundschule.
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    Vörden als Einzelort gehört zu dem aus der 1972 erfolgten Gebietsreform zu Neuenkirchen offizieller Name ist Neuenkirchen-Vörden. Hier steht seine geschichtliche Entstehung.

    Das Bild zeigt eine handcolorierte Karte aus dem Jahr 1947 und befindet sich in der alten Grundschule.



    Geschichte des Kirchspiels Vörden

    Ein Bild idyllischer Anmut und geografischer Vielfalt bietet Vörden mit den Bauernschaften Hörsten und Hinnenkamp sowie der Siedlung Campemoor.

    Umgeben vom Moränenwall der Dammer Berge im Norden, dem urwüchsigen Großen Moor im Osten, dem anmoorigen, sandigen Heidestrich des Wittenfeldes im Süden und der fruchtbaren Haseniederung im Westen, zeigt die Landschaft eine nur selten anzutreffende reizvolle Abwechslung.

    In grauer Vorzeit erstreckte sich von hier zu den Hängen des Wiehengebirges ein unwirtliches Sumpfgebiet. Nur zögernd wagte sich der Mensch in diese Niederungen.

    Sachsen besiedelten im 4. 6. Jahrhundert am Rande der Dammer Berge die höhergelegenen Gebiete Hinnenkamp und Hörsten. Deutlich erkennt man noch heute in den Eschdörfern Astrup, Westrup und Severinghausen die altsächsische Anlage, während in Hinnenkamp die fränkischen Einzelhöfe vorherrschen.

    Die Sachsen teilten ihr Land in Gaue auf. Vörden gehörte zum Dersagau, der etwa die südliche Hälfte des heutigen Landkreises Vechta umfasste. Hauptort war Damme.

    Erbittert verteidigten die eigenwilligen, mutigen Sachsen Freiheit und Väterglaube gegen die eindringenden Franken. Während der grausamen Christianisierung tobten wahrscheinlich Schlachten in Hinnenkamp und Wittenfelde, das der Sage zufolge seinen Namen von Wittekind ableiten soll.

    Nach der Überlieferung hatte sich der Sachsenherzog mit großem Gefolge zwischen Engter und Damme den Heeren Karls des Großen (768 - 814) entgegengeworfen. Tote und Verwundete bedeckten nach mörderischem Kampf die Erde. Die Stelle, wo Wittekind floh, soll seitdem «das Wittefeld» heißen.

    Der Wahrheitsgehalt muss hierbei ungeprüft bleiben. Dass die Franken ihre Eroberungen in unserer Heimat fortsetzten, geht jedoch aus den Worten eines Mönches aus Passau hervor, der 785 schrieb:

    "König Karl kam in den Gau Dersia und verbrannte die Gegend mit Feuer."

    Nach gewaltsamer Einfügung des Landes in das Christentum ließ Karl des Großen zur Glaubensfestigung Missionsstationen und später Bistümer gründen. In Damme und Bramsche wurden Taufkirchen gebaut.

    Kraftvoll erfolgte der Landausbau. Aus dem ehemals gemeinschaftlich genutzten Eschland entwickelten sich Einzelhöfe mit großen Flurkomplexen als Sondereigentum. Der freie Bauer war dem Zwang zur Heeresfolge enthoben, sobald er sich unter den Schutz eines Grundherrn stellte und seine Besitzungen zu Lehen empfing. Steigende, kaum erfüllbare Auflagen brachten den Bauern vielfach in ein unerträgliches Abhängigkeitsverhältnis. Seine persönliche Freiheit und das Erbrecht wurden stark beschnitten. In dieser Zeit gelangten Klöster, Bistümer und weltliche Herren durch Stiftungen und Vermächtnisse zu immer größeren Ländereien.

    Urkundlich weist das älteste Güterregister des ~Benediktinerklosters Corvey um 1000 mehrere Höfe in Henninchem (Hinnenkamp) und Osterep (Astrup) nach. Wahrscheinlich bestanden diese Ortschaften jedoch schon früher. Die auf heim ( chem) endenden Ortsnamen gehören zu den ältesten Siedlungsformen im norddeutschen Raum.

    Hörsten wird gegen Ende des 10. Jahrhunderts unter dem Namen Hurstin erwähnt. Als Holtsateshuson gelangte es in der Zeit von 1037 1052 durch die Schenkung eines Ritters Werinbrecht an die Osnabrücker Kirche.

    Mit der Minderung der Zehnteinkünfte, die Bischof Benno II. erfolgreich für sich erstritten hatte, verlor Corvey an Bedeutung. Das Bistum Osnabrück konnte seinen Machtbereich ausdehnen. In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts verkörperten im wesentlichen die Bischöfe von Osnabrück und die Grafen von Tecklenburg den Großgrundbesitz im hiesigen Raum.

    Vörden selbst war zu dieser Zeit unbesiedelt. Die tiefen Sümpfe machten es unzugänglich. Selbst der noch verhältnismäßig gangbarste Teil, das Wittefeld, war auch im Sommer nur schwerlich zu durchdringen.

    Um eine notwendige Verbindung zwischen den Taufkirchen Bramsche und Damme herzustellen, hat Bischof Benno II. (1068 - 1088) einen Damm anlegen lassen, der das Wittefeld quer durchzieht. Damit war auch der Dersagau erschlossen. Als schwierigste Stelle des Wegebaues erwies sich die Überquerung der Aue.

    An der schmalsten Bachniederung erfolgte der Übergang mit Hilfe eines Bohlenweges (Vorde). Hiervon leitet Vörden seinen Namen ab.

    Im Dersagau unterhielt das Hochstift Osnabrück reichhaltiges bischöfliches Tafelgut (Zinshöfe, die den bischöflichen Haushalt versorgten). Heftige Fehden mussten seit dem frühen Mittelalter immer wieder mit der Grafschaft Vechta zur Sicherung der Besitzrechte ausgetragen werden. Als diese 1252 an das Bistum Münster fiel, nahm der Kampf noch härtere Formen an.

    Schon Bischof Ludwig Graf von Ravensberg hatte in Heeke die Burg Twistel zum Schutz des Osnabrücker Nordlandes errichten lassen.

    Wegen nachhaltiger Proteste des Klosters Malgarten (gegr. 1170) und des Johanniterordens Kommende Lage (gegr. 1245) sah sich Bischof Gottfried Graf Arnsberg 1329 veranlasst, Twistel als Landesburg wieder aufzugeben.

    Es ist anzunehmen, dass dafür bald in Vörden ein Bollwerk angelegt wurde. Urkundlich wird Vörden erstmals am 16.3.1341 erwähnt. Nach diesem Vertrag wollten es Bischof Gottfried und die Edelherren von Diepholz nicht zulassen, dass von dritter Seite zwischen „der witten Vorden" und Vechta eine Burg gebaut würde. Von einem "castrum in Vorden" wird allerdings erst 1370 unter der Regierung des Bischofs Melchior von Grubenhagen gesprochen.

    1365 garantiert Dietrich von der Mark den Osnabrücker Bürgern, dass sie und ihr Gut zollfrei bleiben sollten, wenn sie "tho den Vorden up dem Wittenfelde" einen Zoll anlegten.

    Dieser tatkräftige Verweser Graf Dietrich hatte bedeutende Forderungen an das Bistum Osnabrück. Bischof Melchior (1367 - 1375) sah sich gezwungen, ihm die meisten Stiftsburgen darunter auch Vörden zu verpfänden. Nächster Besitzer war der ärgste Feind von Osnabrück, der Graf Tecklenburg. Jedoch konnte der kriegerische Bischof Dietrich von Horne (1376 - 1402) sie wieder zurückerobern.

    Bischof Dietrich ist der eigentliche Gründer von Vörden. Er befestigte die Burg und baute sie weiter aus. Unter ihm wurde 1387 der Flecken Vörden geschaffen und mit einem Freiheitsbrief versehen. Alle Vördener Bürger erhielten dadurch die persönliche Freiheit. Die Burg erwählte Dietrich zum Sitz des Amtes Vörden, das die Kirchspiele Damme und Neuenkirchen, das Gogericht Bramsche mit den Kirchspielen Bramsche und Engter sowie Gehrde vom Gogericht Ankum umfasste. 1391 wurde die bereits vorhanden Kirche zu einer selbständigen Pfarre erklärt schon zu diesem Zeitpunkt bestand ein Fleckensrat.

    Von Vörden aus unternahm Bischof Dietrich 1384 den erfolgreichen Zug gegen das aufsässige Ritterhaus Steuern einzutreiben. Lage erlitt dabei starke Verwüstungen.

    Befehlshaber der Burg war der bischöfliche Drost oder Amtmann. Daneben gab es einen landesherrlichen Richter, der die Position eines Gografen innehatte.

    Zwei Gerichtsbarkeiten, deren Befugnisse scharf getrennt waren, bestanden nebeneinander in Vörden. Zum einen war das fürstliche Halsgericht dazu bestimmt ' schwere Vergehen und Verbrechen abzuurteilen, zum anderen verfügte das Fleckengericht über die Markgerechtsame (z.B. bei Holzfrevel), die niedere Gerichtsbarkeit, das Brüchtengericht (Geldbußen) und die Wroge. Bischöfliche Gefangene wurden nach einem Sonderrecht in einer Stiftsburg festgesetzt, abgeurteilt und gerichtet.

    Die Hinrichtungen erfolgten öffentlich. Die Richtstätte für das Gogericht Bramsche war der Galgenhügel in Wittenfelde. Todesstrafen wurden schnell verhängt.

    Im Hexenkolk (südwestlicher Burggraben) wurde an den Opfern das Bad vorgenommen. Zu dieser "Wasserprobe" band man den bedauernswerten Angeklagten den rechten Daumen mit der linken großen Zehe zusammen und ebenso den linken Daumen rechten großen Zehe, legte einen Strick, dessen Ende der Henker in der Hand behielt, um ihren Leib und warf sie ins Wasser. Schwammen sie, so waren sie schuldig, da selbst das Wasser die Verworfenen ausstieß, gingen sie unter, so waren sie unschuldig.

    Leugneten die für schuldig Befundenen ihre Schuld, so folgte die "peinliche Befragung", d.h. Folter und Tortur mit Bein u. Daumenschrauben. Von 1572 1583 wurden in Vörden 14 Frauen als Hexen verbrannt. In peinlichen Sachen (schwere Vergehen oder Verbrechen) hielt der Rat die Gefangenen bis zur Aburteilung in der Steinpforte in sicherem Gewahrsam.

    Als Siegel führt der Flecken Vörden von alters her ein Rad mit drei Speichen; eine Abwandlung des Landeswappens, eines achtspeichigen Rades. Osnabrück und Wiedenbrück führen sechs, Iburg fünf und Melle vier Speichen.

    Die wirtschaftliche Entwicklung Vördens war verhalten. Der Freiheitsbrief sah nicht die Einrichtung wiederkehrender Märkte vor. Handwerkerzünfte fehlten. Es mangelte an Hinterland, das hätte versorgt werden können. Besonders aber die anhaltenden Feindseligkeiten mit der Münsterschen Herrschaft Vechta unterbanden ein Aufblühen des Fleckens.

    Zur Förderung der Ansiedlung wurde der Rat beauftragt, Ländereien kostenlos an Bürger aufzuteilen, die diese urbar machen mussten. Dafür gewährte man ihnen eine zehnjährige Steuerfreiheit.

    Schon Anfang des 15.Jahrhunderts besaßen die Vördener den "alten Ellefreden" (heute "Frede"). Bischof Erich von Hoya schenkte ihnen 1439 den Bernhorn, ein Eichgehölz, dazu. Im Jahre 1512 zählte Vörden 78 steuerpflichtige Haushalte mit 300 - 400 Einwohnern.

    Als 1633 Stadt und Bistum Osnabrück in die Hände der Schweden fielen, schenkte der schwedische Reichsrat dem Grafen Gustav Gustavson von Wasaburg einem natürlichen Sohn des Schwedenkönigs das Bistum Osnabrück. 1643 wählte er die Stiftsburg Vörden zu seiner Residenz und zum Sitz seiner Regierung. Vörden erlebte in dieser Zeit einen glanzvollen Höhepunkt. Die Burg wurde stark befestigt und "dermaßen magnifice und prächtig aufgebaut, dass ein König da logieren möchte" (Abt Thorwald aus Iburg 1645).

    Nach einer Zeichnung des bischöflichen Baumeisters Johann Kraft au s dem Jahre 1661 bestand das Schloss aus drei massiven, dreigeschossigen Flügeln, die mit dem Torbau an der Ostseite einen rechteckigen Hof begrenzten. Ein Wassergraben (heute der Burggraben) umgab das stattliche Gebäude. Die Vorburg mit den Wirtschaftshäusern war von einem Schutzwall eingeschlossen. Die ganze Schlossanlage umzog ein zweiter breiter Wassergraben.

    Ebenfalls war der Flecken Vörden durch Wall und Graben befestigt, wobei das Tor zum Norden das Dammer Tor durch eine Bastei zusätzlich gesichert wurde. Im Süd Westen erhob sich das Osnabrücker Tor.

    Ausgestattet mit der Herrschaft Wildeshausen, verließ Gustavson 1650 die Burg. Glanz und Pracht erloschen bald danach. Die praktisch denkenden Bürger schütteten gegen Ende des 17. Jahrhunderts den Fleckenswall wieder in den Graben und machten Gärten daraus. Ein Großteil des linken Flügels ist noch heute erhalten. Das Hauptgebäude musste jedoch schon unter Bischof Ernst August II. (1716 1728) durch einen Neubau ersetzt werden. Das repräsentative Gebäude diente zunächst als Amtshaus, später als Wohnung des Forstinspektionschefs. Im Jahre 1842 richtete die katholische Gemeinde es als Pfarrhaus ein. Der nördliche Flügel wurde abgebrochen. An seiner Stelle entstand 1856 57 die katholische Kirche St. Paulus.

    Nach der Verfassung bestand die Verwaltung des Fleckens im 17. Jahrhundert aus zwei Bürgermeistern, zwei Befehlshabern, vier Ratsmännern und vier Kurgenossen. Die Ratsherrenwahl fand immer am 2. Januar eines Jahres statt. Dies war ein besonderer Festtag, an welchem Gebäck und Freibier ausgegeben wurden.

    Schon damals zeigten die eigenständigen Bürger wenig Respekt und Untertänigkeit gegenüber den landesherrlichen Behörden. Wiederholt wurde der widerspenstige Bürgermeister Molan (1662 1664) ins Gefängnis geworfen. Aufsässige Einwohner prügelte man durch, um sie gefügig zu machen.

    Im Jahre 1662 bekannten sich 444 Bürger zum evangelischen Glauben. Sechs Häuser wurden von Katholiken bewohnt. Die immerwährende Kapitulation von 1650 bestimmte, dass die Kirche St. Christopherus beiden Bekenntnissen gehören sollte. Eine Trennung erfolgte erst 1858, nachdem die katholische Kirche eingeweiht worden war.

    Vörden blieb von Katastrophen nicht verschont. Im Jahre 1747 wütete eine große Feuersbrunst und setzte fast den ganzen Ort (63 Häuser und die Kirche) in Asche. Mit Eifer bauten die unverzagten Bürger den Ort wieder auf, was aus der Statistik von 1772 hervorgeht, in welcher 95 Wohngebäude und 464 Einwohner registriert wurden.

    Aber 1842 wurde fast der ganze Ort wieder Opfer eines Großbrandes (78 Häuser und abermals die Kirche). Auch an diesem erneuten Schicksalsschlag verzweifelten die tapferen Vördener nicht. Allen Widerständen zum Trotz entwickelte sich der Ort weiter. Im Jahre 1885 zählte man 151 Häuser und 765 Bürger.

    Größere wirtschaftliche Fortschritte blieben wegen der geologischen und geografischen Verhältnisse versagt. Die Einwohner (Ackerbürger, kleine Handwerker, Gewerbetreibende und Tagelöhner) waren auf Nebenerwerb angewiesen. Es war ein besonderer Glücksfall, dass 1771 zwei Osnabrücker Kaufleute in Vörden eine "bunte Linnenfabrik" anlegten. Sie organisierten eine hausgewerbliche Leinwandweberei im Verlagssystem. Das Garn wurde in den Häusern gespult und gewebt.

    Im Jahre 1781 verdienten im Flecken Vörden und im benachbarten Neuenkirchen ca. 225 Familien in der Spulerei und Weberei ihren Unterhalt. Der Jahreslohn einer Familie betrug etwa 60 70 Taler. Auch Flachsanbau wurde nachweislich im Amt Vörden betrieben. Das geköperte, drellartige Leinen wurde in Vörden gewebt und auf der Legge in Bramsche verkauft.

    Das Hochstift zu Osnabrück hatte mit dem Dismembrationsverbot 1618 die Teilung der Erben und Absplitterung einzelner Teile verboten. Die Ansiedlung von Markköttern, die auf angekauftem Grund Kotten setzten und Land hinzupachteten, war nahezu ausgeschlossen, da die markenberechtigten Höfe dagegen heftigen Widerstand leisteten. Somit mussten sich die nichterbberechtigten Kinder Wohnungen in den Nebengebäuden der Höfe einrichten.

    Im Amt Vörden herrschten 1775 folgende grundherrliche Verhältnisse:
    • Zahl der grundherrliche Höfe 543
    • Davon Bischof 75
    • Weltlicher Adel 138
    • Domkapitel 66
    • Kirchen und Klöster 264

    Die Schutzherrschaft war für die Bauern zu einer bedrückenden Abhängigkeit geworden. Die Last der kaum aufzubringenden Abgaben trieb sie in eine immer größer werdende wirtschaftliche Notlage.

    Diese zwang die Bauern, Wohnmöglichkeiten auf ihren Höfen zu verpachten und Heuerlingshäuser zu errichten (später auch Doppelheuerhäuser). Einen wesentlichen Teil der Pacht (Heuer) leisteten die Heuerleute durch Arbeitshilfe, die bis zu 200 Tage im Jahr beanspruchen konnte. Ihr Einkommen reichte meistens nicht aus, um eine Familie durchzubringen. In der Hollandgängerei bot sich ihnen die Möglichkeit zum Nebenerwerb. Viele Heuerlinge und Vördener Bürger verließen jährlich für mehrere Monate ihre Heimat, um in Holland mit schweren, mühevollen Heu und Torfarbeiten im Akkordsystem unter entsagenden Bedingungen einen zusätzlichen Beitrag zu ihrem Lebensunterhalt zu verdienen. Allein im Amt Vörden betrug 1816 die Zahl der Hollandgänger etwa 1050 - 1100 Personen.

    Weltpolitische Ereignisse, die den Verlust ausländischer Absatzmärkte nach sich zogen, führten zu einem Niedergang der Nebenerwerbstätigkeiten. Hinzu kam, dass die fortschrittliche Konkurrenz aus England nach Aufhebung der Kontinentalsperre das Festland mit billigen Stoffen überschwemmte. Ein allgemeiner wirtschaftlicher Notstand, verbunden noch mit drohender Hungersgefahr durch schlechte Ernten, zwang seit 1832 die Menschen zur Auswanderung in die USA. Die Auswanderungswelle wurde bald zu einem reißenden Strom. Bis 1866 verließen 17.793 Personen das Osnabrücker Nordland. Ein Viertel dieser Auswanderer kam aus Vörden oder der weiteren Umgebung. Die Folge war ein starker Bevölkerungsrückgang (1848 im Kirchspiel Vörden 1.805 Einwohner, 1905 nur noch 1.482)

    Eine unglückliche, folgenreiche Ratsentscheidung verhinderte den so notwendigen wirtschaftlichen Fortschritt, als Bürgermeister Wernecke sich leider erfolgreich dem Bau der Eisenbahn, die von Osnabrück über Vörden nach Bremen führen sollte, entgegenstemmte.

    Als weitsichtig und mutig erwies sich aber der Besiedlungsplan von Campemoor, das ein Teil des Großen Moores (Dieven Moor) ist. Unter schwierigsten Bedingungen gelang es 1915, 42 Siedlerstellen zu schaffen und nach und nach dem gefährlichen Moor weitere Flächen zur Urbarmachung abzutrotzen.

    Seit Generationen schon haben die benachbarten Bauern in schwerer Handarbeit Torf gestochen, getrocknet und als wertvolles Brennmaterial verwendet. Heute geschieht der Abbau durch ein Torfwerk im industriellen Verfahren. Campemoor erhielt seinen Namen zu Ehren des eigentlichen Begründers "von Campe".

    Die napoleonischen Umwälzungen brachten einschneidende politische Veränderungen. Das Hochstift Osnabrück verlor 1803 die eigenständige Staatsgewalt und wurde dem Kurfürstentum Hannover zugeschlagen.

    Das Großherzogtum Oldenburg (Rechtsnachfolger Münsters) erhielt von Hannover 1817 das ganze Kirchspiel Damme und die größere Hälfte des Kirchspiels Neuenkirchen. Die Bauernschaften Hörsten und Hinnenkamp (der vom Kirchspiel Damme abgetrennte Teil) sowie die Evangelischen aus Bieste gehören seitdem zum Kirchspiel Vörden. Gleichzeitig wurde der Amtssitz von Vörden nach Malgarten verlegt. Es hieß nun "Amt Vörden zu Malgarten". 1867 fasste man die drei Ämter Bersenbrück, Fürstenau und Vörden unter Einschluss der Stadt Quakenbrück zum Kreise Bersenbrück zusammen. (Endgültige Bestätigung 1885). Der Flecken Vörden sowie die Gemeinden Hinnenkamp und Hörsten wurden 1974 zwangsweise aus ihren alten Bindungen an das Osnabrücker Nordland gelöst und dem Landkreis Vechta zugeschlagen.

    Vörden hat seine charakteristische Idylle auch heute noch nicht verloren. Nicht ohne Stolz blicken die Bürger auf ihre geschichtliche Vergangenheit. Alte Traditionen werden gepflegt und fortgesetzt. Im vergangenen Jahr konnte der Schützenverein Vörden sein 350jähriges Bestehen feiern. In Anlehnung an die mittelalterliche Ratsherrenwahl findet alljährlich am 2. Januar der Handgiftentag statt. Wenn in der Karwoche die Glocken schweigen, ziehen die Kinder mit ihrer Klapper von Haus zu Haus. Dieses magische und kultische Rhythmusgerät war wahrscheinlich schon im frühen Mittelalter Bestandteil der katholischen Messe in der Karwoche.

    Schmucke neue Siedlungen, großzügige Sportanlagen mit Schwimmbad, ein Altenheim und sonstige Einrichtungen kennzeichnen gleichzeitig Fortschritt und soziale Verantwortung. Eine gut entwickelte Landwirtschaft mit stattlichen Bauernhöfen, ein gesunder gewerblicher Mittelstand, besonders aber eine leistungsstarke Fleischwarenindustrie sicherten den wirtschaftlichen Aufstieg der letzten beiden Jahrzehnte.

    Der original Text befand sich in einem alten Kalender des Heimatvereins Vörden aus dem Jahr 1976 und wurde auf Grund neuer geschichtlicher Erkenntnisse auf den neuesten Stand gebracht


    © 2013 mit freundlicher Genehmigung von Heinz-Ludwig Liepert, Vörden